Presse Atelier amtaunus und Ute Hausotte

Veröffentlichung im Magazin Maas in der Rubrik Lebenswege vom 14.07.2016:

Link zu: Wie mich Farben ins Leben zurück holten


 

Arbeiten mit geflüchteten Frauen, Artikel in den Taunus Nachrichten vom 24.05.2016

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Malen: Ich habe meine Seele aus der Heimat zurückgeholt

„Das Geld zur Finanzierung des Projektes kam beim Zauberbergfest im letzten Jahr zusammen und Salomé Korschinowski überlegte nicht lange, wie sie es einsetzen könnte: Hilfe für Flüchtlinge. Und hier waren es Flüchtlingsfrauen, denen sie im Atelier für kreative Lebensfreude am Zauberberg (Atelier amtaunus) bei Ute Hausotte die Möglichkeit bot, beim Malen nach den schweren Jahren, die hinter ihnen liegen, in einem Malkurs wieder zu ihrem mehr oder minder normalen Sein zurückzufinden, zu sagen: Ich bin kreativ, kann mit der Hand malen, habe Körpergefühl und habe auch meine Seele aus der Heimat zurückgeholt. So wurde es für die Frauen unter anderem aus Eritrea, Syrien und dem Irak so etwas wie der Abschied von der Heimat, aber auch eine Rückerinnerung, wie Ute Hausotte meinte.

Und Salomè schrieb dazu: „Im Atelier war viel Freude, Hoffnung und Lebensfreude zu spüren. Da wurde eine Szene aus der Heimat mit so viel Mühe, Hingabe und Sorgfalt bewusst gemalt. Ein Erinnern an die Heimat. Als das Bild fertig war, strahlte sie und wir konnten alle die Freude der jungen Frau sehen, dass sie mit dem gelungenen Bild zufrieden war“. Aus einem „einfachen Bild“, wie es ein Kind gemalt hätte, sei nach mutigem Eingreifen ein anderes Bild geworden. Die Frau traute sich, ihre Emotionen zu zeigen, das Bild zu verändern und am Ende war aus einer beängstigenden Szene auf dem einfachen Blatt Papier ein ganz anderes Bild geworden. „Und ich bin mir sicher, dass das Außen wieder einen Impuls ins Innere gibt. Sie kann die Szene nun abschließen und verarbeiten. Bei diesem einfachen Malen hat eine Eigentherapie stattgefunden.“

Mit viel Bedacht wählte eine andere Frau die Farben für ihr Bild. Sie „vermalte“ sich am Anfang, kratzte die Farbe weg und ging mutig an das Blatt zurück. Die Hände malten spielerisch ein Herz, umgeben von Schwarz. Beängstigendes Schwarz? Nein, ein Nachthimmel und ein Bild ihrer Welt“. „Friede und Krieg als Herz und der Titel so stark, wie diese geflüchtete Frau: „Hoffnung“.

Und Salomé weiter: „Geflüchtet, die Szene auf einem anderen Bild könnte den Betrachtern Angst machen. Wie mag es der Malerin in ihren inneren Bildern gehen, die sie über zehn Jahre in sich trägt und das Ausmaß des Kriegs in Syrien zeigt? Sie hat die Kraft ihrer Hände, die Farben und die geschützte Atmosphäre im Atelier mit dem Mord an ihrem Bruder verbunden. Zu seinem Todestag malte sie ihre Trauer über diesen schmerzlichen Verlust. Ein einfach gestaltetes Bild, wie eine „Kinderzeichnung“, vielleicht der Ersatz dafür, dass sie zu Hause nicht an sein Grab gehen kann.

Viel Farbe, viele Schichten bedecken ein Bild, das kraftvoll, liebevoll und spielerisch versunken mit den Händen gemalt wurde. „Was soll es werden?“, „Was siehst du, wenn du auf dein Bild schaust?“ frage ich, und da stand eine starke Frau vor ihrem Bild. Das Bild könnte nun viele Geschichten erzählen, für sie war es eine, die sie erzählte: „Eine Frau, die ihren Weg gefunden hat.“

So weit der Bericht von Salomé, die seit langem eine Rolle bei der Betreuung von Flüchtlingen in Kelkheim hat.

Er zeigt aber auch, welche Möglichkeiten es gibt, diesen Frauen den Weg in ein normales Leben zu ebnen. Die Arbeit könnte fortgeführt werden, wenn nur nicht die Spenden aus dem Zauberbergfest inzwischen aufgebraucht wären. Hier könnten Sponsoren in Zukunft mit Sicherheit Gutes tun.“

Redakteur: Peter Hillebrecht


Beitrag in Flüchtlingshilfe Kelkheim:

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Februar 2016:

Ausdrucksmalen für Flüchtlinge

Hände malen, was Worte nicht ausdrücken können

Zum Ausdrucksmalen hatte Ute Hausotte sechs Flüchtlingsfrauen, die zur Zeit in Ruppertshain leben, in ihr ”Atelier amtaunus” auf dem Zauberberg eingeladen. Im Begegnungsraum hieß es erstmal ankommen, ein kurzes Anfangsgespräch leitete in das Thema „Ausdrucksmalen“ ein. Dann wurden Schürzen und Schuhe verteilt. Beim Ausdrucksmalen wird vor allem mit den Händen gemalt, dies ist wichtig, um einen emotionalen Zugang zum eigenen Bild zu finden. „Hände malen, was Worte nicht ausdrücken können“, so Ute Hausotte. Zum Verfeinern der Bilder dürfen bei Bedarf Pinsel oder zum groben Bearbeiten Spachtel und andere Utensilien verwendet werden.

 

Vorkenntnisse oder „Begabung“ sind für das Ausdrucksmalen nicht notwendig, und so konnte jeder rasch mit dem Gestalten seines großformatigen Bildes starten. Dabei werden weder Maltechniken vermittelt noch Themen vorgegeben. Allein das Malen steht im Vordergrund – das Erleben neuer, kreativer Seiten an sich selbst und das Eintauchen in die eigene innere Welt. Die Künstlerin stand die ganze Zeit als stützende Begleitung zur Seite. Die Faszination des Ausdrucksmalens liegt darin, dass jeder auf Anhieb malen kann, da es kein richtiges oder falsches Malen gibt. Nach einer Stunde – die sehr schnell verging – hingen farbenfrohe und ausdrucksstarke Bilder an den Wänden. Nebenbei wurden neue deutsche Worte gelernt oder vertieft, sei es das Nennen der Farben, Landschafts- und Naturbeschreibungen oder Gefühle. Und beim nächsten Mal können die Bilder mitgenommen werden und einen Ehrenplatz zu Hause finden – denn die nassen Bilder trocknen erst einmal im Atelier. (akh)


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Ein kreatives Fest

Von ROBIN KUNZE Fünf große Bühnen mit Live-Unterhaltung, Ausstellungen, Führungen, Handwerksmarkt und ein Genusshof – beim Zauberbergfest stand gestern alles im Zeichen der „Kreativität“. Die vielen Besucher wurden auch zum Mitmachen wurde animiert.

Die Besucher greifen am Zauberberg selbst zum Pinsel: Gemeinsam mit Ute Hausotte (vorne) entstand so ein buntes, großformatiges Bild.
Foto: Hans Nietner Die Besucher greifen am Zauberberg selbst zum Pinsel: Gemeinsam mit Ute Hausotte (vorne) entstand so ein buntes, großformatiges Bild.

 

Ruppertshain „Lets get creative!“: So lautete das Motto des Zauberbergfestes.Lasst uns kreativ werden. Ein Aufruf, der zunächst unspektakulär und eingängig zugleich wirkt, aber natürlich auch gut zur Örtlichkeit passt, die viele Künstler beheimatet. Dass sich hinter dem Slogan mehr verbirgt, als es zunächst den Anschein macht, erklärte Gastredner Professor Jörg Mehlhorn.

Noch ein Tabuthema

Seit nunmehr 30 Jahren ist der selbsternannte „Wanderprediger“ im Namen der Deutschen Gesellschaft für Kreativität auf der Suche nach Unterstützern. „Die Kreativität ist neben der Sexualität das letzte, große Tabuthema unserer Gesellschaft“, sagte er in seiner Eröffnungsrede zum Zauberbergfest. Beide Themen verbinde eine große Intimität und im Zuge des Erwachsenwerdens würde die Kreativität verlorengehen.

„Wer kreativ ist, eine Idee äußert, der outet sich“, sagte Mehlhorn, „und setzt sich auch Kritik aus. Es ist eine Art Seelenstriptease.“ In einer früheren Studie seien die Forscher davon ausgegangen, dass knapp zwei Prozent der Population hochbegabt sei. „Diese zwei Prozent sind auch toll und wichtig, denn sie bringen die Menschheit immer wieder voran“, berichtete Mehlhorn weiter, „doch man muss sich auch fragen, was mit den restlichen 98 Prozent ist“. Als Kinder waren wir alle hochbegabt, so die Theorie, doch durch Erziehung im Elternhaus und der Schule seien drei wichtige Säulen der Kreativität auf der Strecke geblieben. „Als Kinder waren wir neugierig, spontan und angstfrei“, sagte der Wirtschaftsdozent der Universität Mainz. „Als Erwachsene sind wir häufig von der Angst vor Peinlichkeit und Lächerlichkeit geprägt und merken diesen unterbewussten Vorgang meist gar nicht.“

Selbst zum Pinsel greifen

Um diese Ängste abzubauen und die Neugierde und Spontanität zurück zu erlangen, gibt es Mittel und Wege. Einige davon konnten die Besucher beim Zauberbergfest gleich ausprobieren. Zum einen konnten sich die Gäste durch die geöffneten Ausstellungen und Ateliers der hiesigen Künstler inspirieren lassen. Zum anderen konnten sie sich auch selbst kreativ betätigen, etwa beim Ausdrucksmalen im Atelier „amtaunus“. „Durch die Angst vor der Blamage und einer falschen Vorstellung von falsch und richtig baut sich in uns eine Blockade au“, erklärte Künstlerin Ute Hausotte, die die teilnehmenden Besucher als „Hebamme“ begleitete. Auf einer großen Leinwand von zwei mal fünf Metern durfte sich jeder künstlerisch austoben, der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. „Beim Ausdrucksmalen geht es neben der Freude am Malen um Selbsterfahrung und es gibt auch eine therapeutische, pädagogische und spirituelle Ebene“, sagte Ute Hausotte.

Das dabei entstandene, farbenfrohe Kunstwerk war natürlich zu groß, um es mit nach Hause zu nehmen. Dafür gab es auf dem Zauberbergfest jedoch zahlreiche Stände mit einer großen Bandbreite an käuflichen Kunstwerken: von den Skulpturen über Schmuck und Mode bis zum Gemälde. Selbst die kulinarische Verpflegung fiel kreativ aus. So gab es im Genusshof zum Beispiel Rote-Bete-Carpaccio oder Crépes mit Ziegenkäse. Wer wollte, konnte auf einer Hochleiter den besonderen Ausblick in Richtung Fischbach genießen oder bei der Gruppe „Brauwichte“ ein selbstgebrautes Bier kosten.

Über die rege Beteiligung der vielen verschiedenen Zauberberg-Bewohner freute sich Veranstaltungsorganisator Thomas Weck am meisten. „So ein Fest funktioniert nur mit einem großen Einvernehmen“, erklärte Weck, „und nur, wenn alle zusammenarbeiten“. Dass dabei die Kreativität nicht auf der Strecke bleiben muss, bewies das Zauberbergfest eindrucksvoll.